{"id":6674,"date":"2015-09-14T10:20:04","date_gmt":"2015-09-14T08:20:04","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=6674"},"modified":"2015-09-14T18:16:23","modified_gmt":"2015-09-14T16:16:23","slug":"du-sollst-nicht-morden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=6674","title":{"rendered":"Du sollst nicht morden"},"content":{"rendered":"<p><strong>Tagebucheintrag zum 23. Phex 1012<\/strong><\/p>\n<p>Fast ein ganzer Mond ist vergangen, seit ich die Schlacht auf den Silkwiesen wider den orkischen Horden \u00fcberlebt habe. Vieles ist geschehen, gutes wie auch b\u00f6ses. Mein Kontor, unter der Besetzung der Schwarzpelze nur noch ein besseres Lazarett f\u00fcr gescheiterte Aufst\u00e4ndige, ist kein pulsierender Ort des Handels und des Wohlstands mehr. Viele meiner getreuen Arbeiter und Wachen sind entweder geflohen, get\u00f6tet oder j\u00fcngst beim Versuch sich gegen die Bestzer aufzulehnen verletzt worden. Ganze drei Kontorwachen sind mir geblieben um dem Kontor, meiner Familie und mir Schutz zu gew\u00e4hrleisten. Viel wichtiger jedoch: Meine Familie lebt! Yolande, Gylvana und Yolly sind wohl auf! Ich lie\u00df meine kleine Tochter von Sartassa, einer der wenigen der ich Vertraue, nach Wehrheim, zu einer befreundeten b\u00fcrgerlichen Familie bringen &#8211; dort wird sie sicher sein. Und sollten meine Frau und ich den Widerstand hier in unserer Heimatstadt nicht \u00fcberleben, so wird unsere Familie mit ihr fortbestehen und mein ganzer Besitz an sie weiter gehen, der dann von meiner Bruder, bis zu ihrer Vollj\u00e4hrigkeit, verwaltet wird.<\/p>\n<p>Doch just in diesem Moment, sind es andere Gedanken die mich umtreiben und nur schwer Ruhe finden lassen. Oh Herr Phex, verzeih mir und meiner Familie f\u00fcr das was ich getan habe. Es klebt Blut an meinen H\u00e4nden &#8211; Menschenblut. Der ungl\u00e4ubig erschrockene Blick des Magistraten Glombo Brohm, als ich ihm den kalten Stahl meines Dolches zwischen die Rippen schob, l\u00e4sst mich nicht mehr los. Ich habe gegen eines deiner h\u00f6chsten Gebote versto\u00dfen, Herr der Schatten. Selbst und gerade wenn ich es scheinbar ben\u00f6tige, um an mein Ziel zu erlangen, so ist es uns als deinen Gl\u00e4ubigen &#8211; zurecht &#8211; untersagt den Weg des Blutes zu w\u00e4hlen. Es ist mir ein innigstes Bed\u00fcrfnis und nur meine Natur an dieser Stelle mit dir nun \u00fcber dein Urteil \u00fcber mein Vergehen feilschen wo wollen. Bitte versteh: Niemals w\u00fcrde ich an dem Urteil des Herrn zweifeln, was w\u00e4re ich f\u00fcr ein armer Wurm wenn ich dies t\u00e4te. Nein. Ich m\u00f6chte nur alle Fakten in die Waagschale legen und sehen welche Seite mehr wiegt um am Ende einen gerechten Handel zu erhalten &#8211; ganz in deinem Sinne.<\/p>\n<p>Ich sch\u00e4tzte Glombo, er war mir sogar fast schon ein Freund. Seine Familie stellt seit langer Zeit die Magistraten der Stadt und zu Friedenszeiten war er ein guter Vorsteher derselben. Er erlie\u00df Gesetze die den Handel florieren lie\u00dfen, er lie\u00df stets mit sich \u00fcber Steuererl\u00e4sse reden und war ein Mann der wusste wie man die H\u00e4ndler auf dem Markt zur Ruhe bringen kann. Ich erinnere mich noch heute sehr gut daran, wie er einst auf dem Marktplatz auf dem Tempelberg kam, w\u00e4hrend eines Streits zwischen den B\u00e4ckern und den Knochenhauern, welcher Platz ihnen zustehe &#8211; und allein seine ruhige Ausstrahlung und Anwesenheit gen\u00fcgte um die streitenden Parteien zu bes\u00e4nftigen. Doch nun ist er tot &#8211; sein Leben genommen durch die Hand eines Freundes. Tiefe Trauer ber\u00fchrt mich deswegen. Doch dem einen tragischen Leid folgte zugleich ein zweites. Auch sein Sohn, der taugenichts, aber dennoch ein Mensch, ward zugleich wegen meiner Verleumdungstirade von den Besatzern gek\u00f6pft worden &#8211; das war nicht mein Ansinnen. Doch es lag nicht in meiner Macht es zu verhindern. So gesehen &#8230; ist es nicht nur eine, sondern gleich zwei Seelen deren Leben ich auf dem Gewissen habe.<\/p>\n<p>War es ungerecht Glombo zu t\u00f6ten? Ja. War es falsch ihn und seinen Sohn zu Unrecht zu verleumden und des &#8222;Verrats&#8220; am Usurpator zu beschuldigen? Ja. War es notwendig um diese Stadt von seiner Gei\u00dfel zu befreien zu k\u00f6nnen? Ja. Werden durch mein Handeln nun weniger Menschen sterben und das unheilige Treiben welches die Orks auf dem Tempelberg anrichteten von mir verhindert werden? Ja und Ja! Glombo war ein guter Magistrat zu Friedenszeiten, doch ein miserabler zur Besatzungszeit. Ihr h\u00e4ttet ihn zu euch holen sollen, verehrte G\u00f6tter, als Greifenfurt in die dreckigen H\u00e4nde der Schwarzpelze fiel. So blieb mir nichts anderes \u00fcbrig, als durch meine Hand ihm eure Gnade zuteilwerden zu lassen. F\u00fcr sein Vergehen an der Stadt, seiner Aufgabe, sie vor Brandschatzern zu sch\u00fctzen und ihre Bev\u00f6lkerung vor Tod und Elend zu bewahren, nicht nachgekommen zu sein. Denn h\u00e4tten die Orks die Stadt nicht bezwungen, w\u00fcrden dutzende von Geweihte aller Gottheiten noch am Leben sein, der Praiostempel w\u00e4re nicht gesch\u00e4ndet, die Rondraburg nicht geschliffen und unz\u00e4hlige Bewohner nicht Verletzt oder gar get\u00f6tet worden.<\/p>\n<p>F\u00e4lle hier dein Urteil, Herr Phex. Ich tat es nicht f\u00fcr mich, ich tat es die Stadt und alle seine Bewohner darin &#8211; und ist es nicht dein Gebot, dass wir <em>nicht f\u00fcr uns<\/em> morden sollen? Ich tat es nicht f\u00fcr pers\u00f6nlichen Reichtum, Macht oder Vorteil, Ich tat es f\u00fcr die Freiheit Greifenfurts, f\u00fcr meine Familie und aller anderer Menschen des Mittelreichs. Ich Ma\u00dfe es mir nicht ein Urteil \u00fcber meine Seele zu f\u00e4llen. Mir bleibt hoffentlich noch viel Zeit, bis ich vor dir trete und um mein Seelenwohl feilsche. Ich werde daf\u00fcr Sorge tragen, dass die Brohms eine ordentliche Beisetzung bekommen, damit ihre Seelen deinem Gericht zugef\u00fchrt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nun zur\u00fcck ans Werk, ich muss eine Stadt von einem Usurpator befreien und einen Widerstand ausheben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tagebucheintrag zum 23. Phex 1012 Fast ein ganzer Mond ist vergangen, seit ich die Schlacht auf den Silkwiesen wider den orkischen Horden \u00fcberlebt habe. Vieles ist geschehen, gutes wie auch b\u00f6ses. 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