{"id":6489,"date":"2015-03-30T08:04:20","date_gmt":"2015-03-30T06:04:20","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=6489"},"modified":"2015-03-30T08:07:40","modified_gmt":"2015-03-30T06:07:40","slug":"ein-friedliches-mahl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=6489","title":{"rendered":"Ein friedliches Mahl"},"content":{"rendered":"<p>\u201eVielen Dank. M\u00f6ge deine Seele in Firuns Reich einkehren und dort unserem Herrn dienen.\u201c<\/p>\n<p><em>Ein sauberer Stich erl\u00f6st das gejagte Wildschwein von seinen Schmerzen und schickt seine Seele zu Firun. Die J\u00e4gerin wischt das Messer am Gras ab, ehe sie den Thorwaler bittet, das Schwein zu schultern. Sie selbst schneidet mit ihrem Speer \u2013 einmal in Kreis laufend &#8211; einen riesigen Pilz ab.<\/em><\/p>\n<p>Ja. Eine gute Jagd.<\/p>\n<p><em>Das Lagerfeuer prasselt bereits gem\u00fctlich vor sich hin, als Azina sich anschickt, das Fleisch f\u00fcr die Zubereitung vorzubereiten. Zun\u00e4chst muss das Fell herunter. Sorgf\u00e4ltig schneidet sie mit ihrem Jagdmesser entlang der untersten Hautschicht. Doch leider gelingt es ihr dies nicht gut. Mehrfach rutscht sie ab und schneidet lange Schnitte in das Fell und teilt so Haut und Haare in mehrere unbrauchbare Fetzten. Missgestimmt betrachtet sie ihr \u201eWerk\u201c.<\/em><\/p>\n<p>Es tut mir Leid mein Freund. Es ist eine Schande, ich wei\u00df. Ich werde mich bessern, auf dass das nicht mehr so h\u00e4ufig vorkommt. Aber es wird noch lange dauern, bis ich diese Kunst gemeistert habe.<\/p>\n<p><em>Der n\u00e4chste Schritt ist das Zerlegen des Fleisches. Mit gut gezielten Schl\u00e4gen und Schnitten teilt sie das fettige Fleisch in viele kleine Streifen. Ihre Eitelkeit l\u00e4sst es nicht zu, dass sie sich eine Bl\u00f6\u00dfe gibt. Ohne auf Janes Einw\u00e4nde zu achten, beginnt sie die Fleischstreifen zusammen mit Pilzst\u00fccken um St\u00f6cker zu wickeln und sie rund um das Lagerfeuer aufzureihen, als ob genau das von Anfang an ihre Absicht gewesen w\u00e4re. Traviaholt unterst\u00fctzt sie dabei. Bzw. \u00fcbernimmt er bald die Hauptrolle in der Zubereitung.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Duft von gebratenem herbem Schweinefleisch durchstr\u00f6mt die gesamte H\u00f6hle. Sie garen so viel Fleisch wie m\u00f6glich, um nichts zu verschwenden und um gen\u00fcgend f\u00fcr den weiteren Weg einzupacken.<\/em><\/p>\n<p><em>Endlich sitzt auch Nehazet bei ihnen und Azina n\u00f6tigt ihm einen Spie\u00df auf, den er mit schnellen Bissen verschlingt, um sich anschlie\u00dfend \u201ewichtigeren\u201c Dingen \u2013 wie er sagt &#8211; zu widmen: Der Analyse der Schl\u00fcsselsteine.<\/em><\/p>\n<p><em>Ihr entgeht nicht, dass sich Delia und Jane zieren, von den Pilzen zu essen, aus Angst sie k\u00f6nnten giftig sein.<\/em><\/p>\n<p>Ja, wenn etwas au\u00dferhalb der gewohnten und studierten Gegebenheiten liegt, \u00e4ngstigen sie sich eher, als dass sie auf ihre F\u00e4higkeiten der Wahrnehmung vertrauen. Diese Pilze \u2013 gro\u00df wie halbe Zwerge \u2013 sehen aus und schmecken sowohl roh, als auch gebraten, wie Champignons. Ich zweifle weder an mir, noch an den Gegebenheiten, dass diese Pilze essbar sind. Es scheint wohl an der warmen Umgebung und dem Fehlen von Fressfeinden zu liegen, dass sie so gro\u00df werden k\u00f6nnen. Obwohl ich mich schon wundere, dass die Wildschweine sie nicht in jungen Wachstumsphasen auffressen. Aber offenbar ist diese H\u00f6hle so reich an Nahrung, dass es dennoch viele schaffen eine stolze Gr\u00f6\u00dfe zu erreichen. Au\u00dferdem bleibt diese H\u00f6hle dank Ingerimms Esse von Firuns Atem verschont, sodass er das Wachstum und das Fressen der Tiere nicht hemmt. Und eingeschr\u00e4nkt wird die Population der Schweine von den Schlingern.<\/p>\n<p>Interessanter Lebensraum, den sie hier haben.<\/p>\n<p><em>Noch w\u00e4hrend Nehazet in seine magischen Studien vertieft ist, und die anderen seiner harren, probiert sie sich an einigen gr\u00f6\u00dferen Fellfetzen. Sie nimmt hei\u00dfe Asche aus dem Feuer und l\u00e4sst sie soweit abk\u00fchlen, dass sie sie greifen kann. Anschlie\u00dfend reibt sie damit die restlichen Fettschichten der Haut von dem Fell, um es zu reinigen und zu konservieren.<\/em><\/p>\n<p><em>Sie betrachtet anschlie\u00dfend ihr Werk und nickt zu frieden.<\/em> Ja, so kann man das machen. <em>Und steckt die St\u00fccke ein. Da der Adeptus noch immer besch\u00e4ftigt ist, die anderen \u00fcber die langweiligen Inschriften spekulieren und sie sich ein wenig ausgelaugt f\u00fchlt, legt sie sich kurzerhand und unbemerkt schlafen.<\/em><\/p>\n<p>Sie werden mich schon wecken, wenn das Possenspiel beginnt.<\/p>\n<p>______________________________<\/p>\n<p>Azinas Gedanken<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eVielen Dank. M\u00f6ge deine Seele in Firuns Reich einkehren und dort unserem Herrn dienen.\u201c Ein sauberer Stich erl\u00f6st das gejagte Wildschwein von seinen Schmerzen und schickt seine Seele zu Firun. Die J\u00e4gerin wischt das Messer am Gras ab, ehe sie den Thorwaler bittet, das Schwein zu schultern. 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