{"id":5662,"date":"2014-08-14T10:20:41","date_gmt":"2014-08-14T08:20:41","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=5662"},"modified":"2014-08-14T10:29:07","modified_gmt":"2014-08-14T08:29:07","slug":"azinas-verbleib-iv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=5662","title":{"rendered":"Azinas Verbleib IV"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=5644\">hier gehts zum vorherigen Teil<\/a><\/p>\n<p><strong>Bestehen der Pr\u00fcfung<\/strong><\/p>\n<p><em>Gemeinsam mit Elfenbein kehrt sie ergriffen zum Schwanenthron zur\u00fcck. Dieses Mal f\u00e4llt es ihr ungleich leichter, sich mit geschlossenen Augen durch das dichte Unterholz fortzubewegen. Ohne hinzusehen, setzt sie sich erneut mit \u00fcberkreuzten Beinen auf den Felsen und verschmilzt gedanklich mit der Natur. Nach nur kurzer Zeit explodiert die gesamte Umgebung um sie herum in leuchtendem Blau. Sie \u201asieht\u2018, wie sich das Meer der B\u00e4ume im Winde wiegt. Sie h\u00f6rt eine wohlklingende Melodie, die von diesem Wald ausgeht. Sie beginnt sich in ihrem Takt zu wiegen, geht in Gedanken von Baum zu Baum und tanzt im Gleichklang mit der Natur. Es ist ein sch\u00f6nes Gef\u00fchl. Nie war sie ihrer Geliebten Natur n\u00e4her. Fasziniert saugt sie die Eindr\u00fccke in sich auf.<\/em><\/p>\n<p><em>Doch pl\u00f6tzlich, auf ihrem mentalen Weg \u00fcber die Sch\u00f6nheit, unterbricht etwas die Harmonie des Waldes. Weit entfernt sieht sie ein verheerendes Ungleichgewicht. Der Gleichklang ist dort verzerrt. Als sie ihre Aufmerksamkeit auf die Quelle der Unreinheit richtet, erstrahlt direkt vor ihr der Rote Riese in einem brennenden Rot. Nerv\u00f6se Energieblitze zucken um ihn herum. Aus seinem Bauch dringen blutrote Schlieren, wie aus einer klaffenden Wunde. Abrupt wird ihr Bewusstsein auf die Lichtung zur\u00fcckgeschleudert. Keuchend rei\u00dft sie die Augen auf und realisiert nur langsam, was vorgefallen ist. Ihr tr\u00fcber Blick sucht den Roten Riesen. Stumm liegt er da. Und doch \u2026 etwas regt sich. Sie ist beunruhigt. Sie zittert am ganzen K\u00f6rper. Sie sp\u00fcrt nun auch den Schmerz des Waldes. Erst jetzt f\u00e4llt ihr auf, dass Elfenbein nicht mehr bei ihr liegt. Es ist kalt. Er fehlt ihr. Es ist, als wurde ein Teil von ihr genommen.<\/em><\/p>\n<p><em>Einer Eingebung folgend und weil sie zuvor zwischen den Kl\u00e4ngen der Melodie auch die gegenw\u00e4rtige K\u00e4lte gesp\u00fcrt hat, die von den Pflanzen besitzt ergreift, erhebt sie sich und schlurft m\u00fcde und ersch\u00f6pft zu einem der B\u00e4ume, die dem eisigen Wind in besonderen Ma\u00dfe ausgesetzt sind. Sie zieht den kalten Baum in eine hingebungsvolle Umarmung. Ihren Kopf bettet sie gegen den Stamm. Fast scheint es ihr, als seufzte der Baum, doch es k\u00f6nnte auch Einbildung sein, hervorgerufen durch ihren Wunsch, seinen Schmerz zu lindern.<\/em><\/p>\n<p><em>Wie lange sie geschlafen hat, wei\u00df sie nicht. Als sie erwacht, ist es Tag. Sie schaut sich nach Elfenbein um. Die frischen Spuren zeugen davon, dass er zwischendurch hier vorbeigekommen ist. Gerade wollte sie sich erneut auf den Felsen setzen, um ihre Meditation fortzusetzen, als sie ein ungutes Gef\u00fchl beschleicht. Eine finstere Ahnung reift in ihr heran. Stirnrunzelnd beschlie\u00dft sie, den Spuren zu folgen, um sich seines Verbleibes zu vergewissern. Sie vermisst ihn schrecklich. Vermisst seine W\u00e4rme, seine Verspieltheit und seine Zuneigung. Ja, sie mag diesen riesigen Wolf, der eine solche Lebensfreude ausstrahlt. Ganz im Gegensatz zu Ebenholz, der irgendwie kalt zu sein scheint. <\/em>Wie sagte Darnan vor ein paar Tagen?: \u201cFirun wollte euch sterben lassen. Nicht umsonst ward ihr der K\u00e4lte erlegen. Ifirn hat euch gerettet.\u201c War Elfenbein jener wei\u00dfe Wolf? Elfenbein, der Ifirn im Wesen so \u00e4hnlich ist?<\/p>\n<p><em>Sie packt Firuns Speer und folgt den Spuren ihres neuen Freundes. Die gro\u00dfen Pfotenabdr\u00fccke sind im Schnee gut zu erkennen. Sie l\u00e4uft noch nicht lange, als sie Stimmen vernimmt. Raue Stimmen, die \u00fcber etwas diskutieren. Sie bleibt stehen und schlie\u00dft konzentriert die Augen. Ihre neue Wahrnehmung tastet sich vorw\u00e4rts &#8211; zwischen den blauen Baumst\u00e4mmen hindurch bis sie wieder auf ein rotes Leuchten f\u00e4llt. Rasch tasten ihre Sinne die Konturen ab. Da liegt Elfenbein im Schnee. Schmerz breitet sich in ihr aus. Rote Blitze zucken aus seiner linken Flanke. Da, wieder diese Stimmen. Vor Elfenbein stehen drei zerlumpte M\u00e4nner und entscheiden gerade, dass sie den anmutigen Wolf f\u00fcr ihren Eintopf verwenden m\u00f6chten. Zorn durchflutet sie. Ihr Griff um den Schaft des Speeres wird fester.<\/em><\/p>\n<p><em>Pl\u00f6tzlich regt sich der Speer. Er beginnt zu pulsieren. Er versucht Verbindung zu ihr aufzunehmen. Er \u2026 Er m\u00f6chte geworfen werden! Grimmig starrt sie die eisblaue Waffe an. <\/em>Soll dieses Mal Firun seine Tochter retten?<em> Ohne weiter zu \u00fcberlegen, rei\u00dft sie den Arm nach hinten und \u2026 sieht ihr Ziel klar vor Augen: die rot umrandeten Silhouetten flackern vor ihren geschlossenen Lider auf und ab &#8230; sie wirft, wirft, wie sie noch nie geworfen hat, hoch \u00fcber die niedrigen Tannen hinweg.<\/em><\/p>\n<p><em>Und verfehlt ihr Ziel: Den Schritt Platz zwischen den M\u00e4nnern und Elfenbein. Stattdessen bohrt sich die lange scharfe Speerspitze von oben direkt in die Schulter eines Mannes, der daraufhin laut aufschreit. Sie sieht noch, wie sich die anderen beiden erschrocken umschauen und sich bereit machen sich zu verteidigen, als sie auch schon unbewaffnet nach vorne durch das Dickicht spurtet.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Bogen eines kleingewachsenen Banditen zuckt unschl\u00fcssig hin und her ehe Azina zwischen den B\u00e4umen hervortritt.<\/em> \u201eHaltet ein! Ich bin die Botin Firuns! Es war ein Versehen! Lasst mich nach der Wunde sehen.\u201c <em>Sagt sie und schreitet mit erhobenen H\u00e4nden langsam auf sie zu. Der Getroffene windet sich am Boden, der Speer steckt tief in seiner Schulter. Die anderen beiden wenden sich ihr mit gezogenen Waffen zu und fragen barsch nach ihrem Begehr. Als sie zu einer Erkl\u00e4rung ansetzt, bedauert sie, dass sie ihren Speer nicht mehr in den H\u00e4nden h\u00e4lt, als, v\u00f6llig unvermittelt, ein schmatzendes Ger\u00e4usch, gefolgt von einem lang gezogenen Schmerzensschrei zu h\u00f6ren ist. Die drei Stehenden starren verbl\u00fcfft auf den Speer, der geradewegs in Azinas ausgestreckte Hand fliegt. W\u00e4hrend die junge J\u00e4gerin ihn noch ungl\u00e4ubig anstarrt, nehmen die M\u00e4nner br\u00fcllend Rei\u00dfaus. Ihren verblutenden Kameraden lassen sie zur\u00fcck. Azinas Brustkorb hebt und senkt sich heftig. Verwirrt steht sie einfach nur da. Erst ein Winseln von Elfenbein holt sie in die Gegenwart zur\u00fcck. Rasch eilt sie zu ihm, zieht den Pfeil gekonnt heraus und verbindet die Wunde notd\u00fcrftig mit ihrer eigenen Winterkleidung \u2013 Fell auf Fell. F\u00fcr den armen Mann kam jede Hilfe zu sp\u00e4t.<\/em> \u201eErneut ein Opfer. Es tut mir leid.\u201c <em>Sie schl\u00e4gt ein Boronsrad \u00fcber den Verstorbenen und bedeckt ihn notd\u00fcrftig mit Schnee. Dann kehren sie langsam zum Schwanenthron zur\u00fcck. Unterwegs verwischt sie ihre Spuren sorgf\u00e4ltig. Am Thron angekommen versucht sie sich halbherzig noch einmal daran, das Geschehene zu wiederholen: Sie wirft den Speer \u00fcber den Felsen hinweg in den Schnee und versucht ihn mit einer einladenden Geste zur\u00fcck zu holen. Doch nichts passiert.<\/em><\/p>\n<p><em>Sie zieht eine Schnute, l\u00e4sst den Speer einfach im Schnee stecken und setzt sich erneut auf den Felsen. Dieses Mal, mit Elfenbein an ihrer Seite, gelingt es ihr, sich vollkommen mit der Natur zu vereinen. Sie selbst wiegt gemeinsam mit ihrem Bewusstsein im Takt zur Melodie des Waldes. Sie kann nicht nur die B\u00e4ume und den Wind wahrnehmen, sondern auch die Lebewesen, die sich in diesen W\u00e4ldern aufhalten. Sich selbst sieht sie nun als Teil dieses Waldes. Sie l\u00e4chelt. Jetzt wei\u00df sie, was die Elfen und Druiden wahrnehmen. Es ist vollkommen!<\/em><\/p>\n<p><em>Erneut belastet etwas ihre Konzentration. Der Rote Riese! Wieder zucken rote Blitze aus seinem Bauch heraus. Der Berg weint. Und nicht nur der Berg. Auch die angrenzenden B\u00e4ume und der Schnee scheinen unter der verderbten Last zu flackern. Eine einzelne Tr\u00e4ne l\u00e4uft ihre Wange hinab, so intensiv ist der fremde Schmerz, den sie f\u00fchlt, dass selbst ihre eigene innere K\u00e4lte aufweicht.<\/em><\/p>\n<p><em>Knirschende Schritte lenken ihre Aufmerksamkeit vom Berg ab.<\/em><\/p>\n<p>______________________________<\/p>\n<p>Azinas Gedanken<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>hier gehts zum vorherigen Teil Bestehen der Pr\u00fcfung Gemeinsam mit Elfenbein kehrt sie ergriffen zum Schwanenthron zur\u00fcck. Dieses Mal f\u00e4llt es ihr ungleich leichter, sich mit geschlossenen Augen durch das dichte Unterholz fortzubewegen. Ohne hinzusehen, setzt sie sich erneut mit \u00fcberkreuzten Beinen auf den Felsen und verschmilzt gedanklich mit der Natur. 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