{"id":5644,"date":"2014-08-08T07:48:25","date_gmt":"2014-08-08T05:48:25","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=5644"},"modified":"2014-08-30T09:52:59","modified_gmt":"2014-08-30T07:52:59","slug":"azinas-verbleib-iii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=5644","title":{"rendered":"Azinas Verbleib III"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=5634\">hier der vorherige Artikel<\/a><\/p>\n<p><strong>Die Pr\u00fcfung<\/strong><\/p>\n<p><em>Sie kehren als Meister und Sch\u00fclerin zur H\u00fctte zur\u00fcck. Ehe Azina sich wieder zur, dringend n\u00f6tigen, Ruhe bettet, m\u00f6chte sie Bakkus\u2018 Leichnam einen Besuch abstatten. Mit zusammengepressten Lippen und zitternden F\u00e4usten betrachtet sie ihren treuen Jagdhund einen Augenblick lang schweigend.<\/em><\/p>\n<p>\u201eWas machst du nur? Was sollte das? Ach Mensch Bakkus!\u201c <em>Sanft streichelt sie seinen Kopf. Krault ihn hinter den Ohren, wie er es so gerne mochte. <\/em>\u201eIch danke dir! \u2026 Ich danke dir f\u00fcr die Zeit, die ich an deiner Seite verbringen durfte. Ruhe in Frieden mein kleiner Freund. M\u00f6ge deine Beute dir in Firuns ewigen Jagdgr\u00fcnden niemals entkommen.\u201c <em>Ergriffen segnet sie seinen Leichnam ihrem Herrn, schl\u00e4gt ein Boronsrad und deckt ihn mit zitternden H\u00e4nden wieder zu. Zwei stumme Tr\u00e4nen entrinnen ihren tr\u00fcben Augen. Traurig wendet sie sich ab.<\/em><\/p>\n<p><em>Ein leises St\u00f6hnen aus der Ecke des Schuppens schreckt sie aus ihren Gr\u00fcbeleien. Ihr Blick f\u00e4llt auf Garnan, der gelassen im T\u00fcrrahmen steht. Misstrauisch n\u00e4hert sie sich der Quelle des Ger\u00e4usches. Dort in einer Nische liegt Shakriin Boran besinnungslos auf einem Fell. Er ist ebenfalls schwer verletzt und verarztet worden. Garnan beobachtet die Tulamidin ganz genau, als sie vor dem Trollzacker umst\u00e4ndlich in die Knie geht und seine k\u00f6rperliche Verfassung begutachtet.<\/em><\/p>\n<p>Woher seine Verletzungen wohl herr\u00fchren? Vielleicht hat er noch weitere Eiszapfen abbekommen, ohne dass ich es mitbekam. Ist das die Antwort auf die Frage, warum ich noch lebe? <em>Sie seufzt schwer.<\/em> Ich trage dir meinen Verlust nicht nach Shakriin. Ich kann mir vorstellen, was du f\u00fchlst. Wir sind alle Narren und lassen uns blenden. Du von deiner Wut und ich von meiner Naivit\u00e4t. Nun haben wir mit dem Leben unserer Kameraden daf\u00fcr geb\u00fc\u00dft. Denn auch du hast gro\u00dfe Verluste erlitten. Ich hoffe, du kannst mir vergeben, dass ich deine Gef\u00e4hrten t\u00f6tete. Jedoch mussten wir uns verteidigen! \u2026 Erhol dich erst einmal. Wir werden uns sp\u00e4ter unterhalten. Vielleicht gibt es einen Weg uns gegenseitig zu helfen. Gemeinsam werden wir einen Weg finden die verschwundenen Personen zu retten.<\/p>\n<p><em>Am n\u00e4chsten Morgen geht es ihr schon etwas besser. Sie kann wieder einigerma\u00dfen laufen und l\u00e4sst sich von Garnan, eingeh\u00fcllt in ihre Winterkleidung und bewaffnet mit ihrem Speer, zu einer Lichtung im Wald f\u00fchren, inmitten jener ein gro\u00dfer flacher Findling liegt. Garnan nennt ihn geheimnisvoll Schwanenthron. Er erkl\u00e4rt ihr knapp und bedeutungsvoll:<\/em> \u201eWer im Einklang mit der Natur ist, dem schadet sie nicht. In drei Tagen komme ich wieder.\u201c <em>Mit diesen Worten l\u00e4sst er sie zur\u00fcck. Unschl\u00fcssig, was sie nun tun soll, steht sie noch einige Zeit unt\u00e4tig da. Schlie\u00dflich setzt sie sich \u2013 einer Eingebung folgend \u2013 im Schneidersitz auf den Felsen. Der Speer ruht waagerecht auf ihren Oberschenkeln, w\u00e4hrend sie versucht ihren Geist zu leeren und an nichts zu denken.<\/em><\/p>\n<p>Im Einklang mit der Natur.<em> Erinnert sie sich an seine deutungsschweren Worte. Sie versucht zun\u00e4chst ihrer Umgebung zu lauschen. Lange sitzt sie da und horcht auf die verschiedenen Ger\u00e4usche des verschneiten Waldes. Doch sie kann nichts festhalten. Sie wird unruhig. Sie sp\u00fcrt die K\u00e4lte immer st\u00e4rker, bis sie schlie\u00dflich von ihren Gedanken Besitz ergreift und ihre Meditation unterbricht. Sie schaut sich irritiert um. Sie sitzt noch immer auf dem Felsen. Sie hat jegliches Zeitgef\u00fchl verloren. \u00dcber dem Wald leuchten die Sterne am wolkenlosen Himmel. Sie versucht die K\u00e4lte zu ignorieren; sie aus ihren Gedanken zu verbannen und schlie\u00dft erneut die Augen. Dieses Mal versucht sie sich an etwas Einfacherem. Sie konzentriert sich nur auf eine einzige Sache: Das Rauschen der B\u00e4ume im stetigen Wind. Es gelingt ihr tats\u00e4chlich, sich auf das Rauschen einzustimmen und s\u00e4mtliche anderen Ger\u00e4usche auszublenden. Zwar sp\u00fcrt sie die K\u00e4lte noch immer; doch sie ist nicht mehr allgegenw\u00e4rtig. Sie beherrscht nicht mehr ihr Sein. Nach einer kleinen Weile unterbricht ein leises Ger\u00e4usch die scheinbare Monotonie des Waldes. Es sind langsame Schritte, die im Schnee knirschen. Irgendetwas n\u00e4hert sich ohne Z\u00f6gern der Lichtung. <\/em>Was mag das wohl sein?<em> Sie schalt sich innerlich und versucht auch dieses Ger\u00e4usch auszublenden und wieder nur das Rauschen der B\u00e4ume wahrzunehmen. Vor dem Schwanenthron verstummen die Schritte und pl\u00f6tzlich sp\u00fcrt sie, wie sich etwas Warmes, einem Mantel gleich, um sie legt. Nach einer Weile weicht die K\u00e4lte aus ihrem K\u00f6rper und ein Gef\u00fchl der Wonne durchstr\u00f6mt sie. Nun gelingt es ihr, sich vollkommen auf die Natur einzustimmen. Sie \u201a f\u00fchlt\u2018 das sanfte Wiegen der Tannen nun mehr als sie es h\u00f6rt. Lange sitzt sie so da. Wie lange wei\u00df sie nicht. Doch die Anstrengung beginnt ihren Tribut zu fordern. Sie ist m\u00fcde. So unterbricht sie die Trance und \u00f6ffnet die Augen. Erstaunt sieht sie Elfenbein um sich liegen. Vorsichtig streichelt sie ihm den Hinterkopf. Er l\u00e4sst sie gew\u00e4hren und kuschelt sich sogar noch enger an sie. Zufrieden tut sie es ihm gleich und schl\u00e4ft ein.<\/em><\/p>\n<p><em>Am n\u00e4chsten Morgen macht ihr Elfenbein ein gefangenes Kaninchen zum Geschenk. Sie nimmt es dankbar an. Anschlie\u00dfend nimmt sie es mit Hilfe ihres Speeres aus und entfacht umst\u00e4ndlich ein Feuer aus trockenen \u00c4sten im Schatten des Findlings. Sie gart das Fleisch gew\u00fcrzlos auf offener Flamme. Elfenbein tut sich erst an den Innereien g\u00fctlich und erhascht sp\u00e4ter noch eine knusprige Keule.<\/em><\/p>\n<p><em>Nach dem Mahl kuscheln sie sich wieder auf den Felsen und versuchen sich gemeinsam auf die Umgebung einzustimmen. Aber so recht mag ihr das dieses Mal nicht gelingen, obwohl ihr Elfenbein gen\u00fcgend W\u00e4rme spendet. Also stehen sie auf und vergn\u00fcgen sich, angestiftet vom lebhaften Elfenbein, spielerisch im Schnee. Ihr f\u00e4llt zwar auf, dass er sich ihr und ihrer Verletzungen zuliebe sehr zur\u00fcckh\u00e4lt. Aber es macht ihr nichts aus. Denn sie hat so viel unverf\u00e4nglichen Spa\u00df, wie schon lange nicht mehr.<\/em><\/p>\n<p><em>V\u00f6llig au\u00dfer Puste nimmt Azina wieder auf dem Felsen Platz. Es f\u00e4llt ihr nun sehr leicht, sich auf die inzwischen wohlbekannten Baumwipfel zu konzentrieren. Erneut sp\u00fcrt sie die wogenden Kronen mehr als sie sie h\u00f6rt. Fast sogar meint sie sie zu \u201asehen\u2018. Kurze blaue Lichtblitze tauchen vor ihren geschlossenen Augen auf. Langsam, sehr langsam, kann sie erahnen, wo die Lichtblitze herkommen. Sie stammen von den B\u00e4umen selbst! Es scheint, als fahren sie an den Konturen der \u00c4ste entlang. Sie konzentriert sich nun verst\u00e4rkt auf einen einzelnen Baum. Und schon nach kurzer Zeit kann sie ihn beinahe komplett wahrnehmen. Pl\u00f6tzlich taucht in der Ferne ein greller roter Blitz auf, der sie aus der Konzentration rei\u00dft. Elfenbein springt beherzt vom Felsen und deutet ihr ihm zu folgen. Wagemutig schlie\u00dft sie erneut die Augen w\u00e4hrend sie langsam weiterl\u00e4uft. Der wei\u00dfe Wolf f\u00fchrt sie zielstrebig und sicher durch das dichte Geh\u00f6lz. Hier und da st\u00f6\u00dft sie sich zwar an Zweigen und stolpert \u00fcber Wurzeln. Doch mit der Zeit scheint es, als w\u00fcrde sie den Hindernissen instinktiv ausweichen. Auch hier scheinen blaue Blitze die Konturen der B\u00e4ume nachzeichnen. Fasziniert staunt sie \u00fcber diese neue Ansicht.<\/em><\/p>\n<p><em>Erneut flammt der intensive rote Blitz auf. So intensiv, dass sie erschrocken die Augen aufrei\u00dft. Was sie sieht, l\u00e4sst beinahe ihr Herz still stehen.<\/em><\/p>\n<p><span style=\"color: #008000;\"><em>Nicht einmal vier Schritt vor ihr erhebt sich ein gewaltiger Hippogriff drei Schritt in die H\u00f6he. Sein rasiermesserscharfer Schnabel ist blutverschmiert. Die kr\u00e4ftigen Fl\u00fcgel schlagen bedrohlich auf und ab und\u00a0erzeugen einen starken Luftzug, der ihr die Feuchtigkeit aus den aufgerissenen Augen treibt. Seine krallenbewehrten <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-5708\" src=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Hippogriff.png\" alt=\"Hippogriff\" width=\"323\" height=\"236\" srcset=\"https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Hippogriff.png 582w, https:\/\/teehausgeschichten.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Hippogriff-300x218.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 323px) 100vw, 323px\" \/>Vorderbeine fuchteln wild in der Luft herum. Alles in ihr schrie nach R\u00fcckzug. Sie geht langsam in die Hocke und legt ihren Speer auf den Boden. Doch der Hippogriff macht keine Anstalten sich zu beruhigen. Immer wieder schl\u00e4gt er mit den Fl\u00fcgeln und kreischt markersch\u00fctternd. Ihr ist bewusst, dass ein einziger Schlag von ihm ausreichen k\u00f6nnte, um sie au\u00dfer Gefecht zu setzen. Ihr ganzer K\u00f6rper steht unter Spannung als sie sich vorsichtig r\u00fcckw\u00e4rts bewegt.<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008000;\"><em>Sie geht etwa 15\u00a0Schritt nach hinten und setzt sich auf einen Baumstumpf. Das Mischwesen be\u00e4ugt sie zun\u00e4chst noch misstrauisch, labt sich dann schlie\u00dflich doch weiter an seiner Bergziege. Die junge J\u00e4gerin schlie\u00dft die Augen. Ihre Hand sucht Kontakt zu Elfenbein. Sogleich gelingt es ihr, sich auf die Umgebung einzustimmen. Sie konzentriert ihr Bewusstsein auf das m\u00e4chtige Wesen vor ihr. Nach und nach, beginnen rote Energieblitze die Silhouette des Hippogriffes nachzuzeichnen. Sie sp\u00fcrt die unb\u00e4ndige Kraft, die von dieser beindruckenden Kreatur ausgeht, als sie immer wieder ihren Schnabel in das Fleisch ihrer Beute schl\u00e4gt und gro\u00dfe St\u00fccken herausbricht und im Ganzen verschlingt.<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008000;\"><em>Als der Hippogriff fertig ist, schaut er sich noch einmal pr\u00fcfend um und erhebt sich mit kr\u00e4ftigen Fl\u00fcgelschl\u00e4gen in die L\u00fcfte. Azina schaut ihm ergriffen nach.<\/em> Ein Hippogriff? Hier in den Trollzacken? Welche Geschichte mag damit zusammenh\u00e4ngen? Vielleicht sehen wir ihn bald wieder.<\/span><\/p>\n<p>______________________________<\/p>\n<p>Azinas Gedanken<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>hier der vorherige Artikel Die Pr\u00fcfung Sie kehren als Meister und Sch\u00fclerin zur H\u00fctte zur\u00fcck. Ehe Azina sich wieder zur, dringend n\u00f6tigen, Ruhe bettet, m\u00f6chte sie Bakkus\u2018 Leichnam einen Besuch abstatten. 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