{"id":5045,"date":"2014-01-18T09:01:51","date_gmt":"2014-01-18T08:01:51","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=5045"},"modified":"2014-01-18T09:05:42","modified_gmt":"2014-01-18T08:05:42","slug":"nach-dem-sturm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=5045","title":{"rendered":"Nach dem Sturm"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Als die Gruppe in der Nacht zu Racona von Salzas Wohnstatt zur\u00fcckkehrte, war Ludevico ungew\u00f6hnlich still und kehrte ohne Worte auf sein Zimmer zur\u00fcck, um sich bettfertig zu machen. Er lag noch lange nachdenklich da und k\u00e4mpfte mit Gewissensbissen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Warum hatten wir eigentlich Firl mitgenommen? Das war mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit ein Fehler. Allerdings besser, er bekommt jetzt mit, dass das Abenteuerleben eine Spur h\u00e4rter ist, als er es sich dachte, als w\u00fcrde er es mitten im Wald erfahren. Hier hat er noch die M\u00f6glichkeit, in ein normales Leben zur\u00fcckzukehren und sich zu entscheiden. Doch ist meine Beziehung zu dem aufgeweckten Jungen viel zu frisch, als dass ich ihn jetzt einfach fallen lassen wollen w\u00fcrde. Ich werde morgen sogleich einen Brief aufsetzen, den ich beim Tempel f\u00fcr ihn abgeben werde. F\u00fcr heute muss ich schlafen, die Ereignisse dieser Nacht waren einfach zu viel. Doch vor allem muss ich mich bei Dir entschuldigen, PHEx. Ich habe Deine Macht missbraucht, nur um meine eigenen Interessen zu wahren und gleich zweimal Menschen aus Borons H\u00e4nden zu entrei\u00dfen, die ich noch nicht einmal leiden kann. Sicher war es perainegef\u00e4llig gewesen, doch habe ich meine Tarnung dadurch preisgegeben. Dies ist unverzeihlich, und ich werde dich erst einmal nicht mehr um Hilfe bitten und versuchen, auf eigene Faust zu handeln. Ich hoffe, du vergibst mir meine un\u00fcberlegten Taten.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei diesen Gedanken schlief er mit tiefen Sorgenfalten auf der Stirn ein. Doch sein Schlaf war unruhig; st\u00e4ndig w\u00e4lzte er sich auf dem Bett hin und her. Am n\u00e4chsten Morgen war er darum nicht sehr erholt und man merkte ihm seine d\u00fcstere Stimmung an. Er verbrachte den fr\u00fchen Tag haupts\u00e4chlich in seinem Zimmer. Er lie\u00df sich sein Essen dorthin bringen, w\u00e4hrend er wiederum einen Brief aufsetzte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Das Schreiben ist f\u00fcr mich eine wahre Wohltat. Es erinnert mich ein wenig an mein normales Leben und gibt mir ein wenig Halt, denn das Abenteuerleben ist f\u00fcr mich im Grunde genommen genauso wenig etwas f\u00fcr mich wie f\u00fcr den kleinen Jungen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei musste er l\u00e4cheln, doch seine Miene verd\u00fcsterte sich wieder, als die Ereignisse der letzten Nacht in sein Ged\u00e4chtnis zur\u00fcckkamen. Er sch\u00fcttelte sich kurz und atmete tief durch, die Haltung straffend. Alles stand bereit und er begann zu schreiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Lieber Firl aus Thurana,<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>unsere Bekanntschaft dauert noch nicht sehr lange an, doch verstanden wir uns auf Anhieb gut. Obwohl dein Verschwinden f\u00fcr die Gruppe und mich einen herben Verlust darstellt, kann ich mehr noch als die anderen deine Entscheidung verstehen; du hast meinen vollen Respekt daf\u00fcr. Nimm dir die Zeit im Borontempel, um zu \u00fcberdenken, was du mit deinem Leben anstellen willst. Doch wie auch immer deine Entscheidung ausf\u00e4llt, so sollst du wissen &#8211; und in diesem Punkt wiederhole ich mich gern -, dass du an meiner Seite immer einen Platz haben wirst. Denn auf lange Sicht ist das Abenteuerleben auf Stra\u00dfen und in Katakomben genauso wenig f\u00fcr mich wie f\u00fcr dich gemacht. Ich hoffe, wir k\u00f6nnen zumindest im Geschriebenen noch in Kontakt bleiben, denn es interessiert mich sehr, wie sich ein so vielversprechender Spr\u00f6ssling wie du entwickelt. Solltest du das genauso sehen, so schicke mir doch von Zeit zu Zeit einen Brief an meine Adresse in Andergast. Es w\u00fcrde mir sicher die langweiligen Pflichten eines H\u00e4ndlers erleichtern und ein wenig Sonne in mein Herz treiben. Au\u00dferdem m\u00f6chte ich dir hiermit ein Angebot machen. Ich wei\u00df, diese Praktik ist sicher eher f\u00fcr Maraskanis \u00fcblich, doch da ich bisher weder eine Frau f\u00fcr mich gefunden habe, noch aufgrund dessen einen Spross mein eigen nennen kann, w\u00fcrde ich dich, solltest du dem Tempelleben \u00fcberdr\u00fcssig werden, gern adoptieren. Verstehe das nicht als eine Aufforderung, ich m\u00f6chte dir lediglich diese T\u00fcr offen halten. Denn ich will nicht, dass unsere Bekanntschaft und Zusammenarbeit so fr\u00fch endet. Au\u00dferdem m\u00f6chte ich dich bitten, die Handsprache, die ich euch beibrachte, f\u00fcr dich zu behalten, da sie eher wie ein Juwel ist, das ich Menschen, die ich sch\u00e4tze, anvertraue und sie nicht daf\u00fcr gedacht ist, einfach wie ein St\u00fcck Lumpen weitergereicht zu werden. Ich hoffe, du kannst das verstehen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Auf hoffentlich bald<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>LGLE<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann versiegelte er den Brief wieder auf die gleiche Weise wie die anderen davor. Auf seinem Gesicht konnte man sehen, dass offenbar eine gro\u00dfe Last von ihm abgefallen war. Seine Stirn war immer noch in Falten, doch nun nicht mehr so sehr. Er blies die Kerze aus, nahm das zusammengerollte Pergament und verlie\u00df unter einem Vorwand das Wohngeb\u00e4ude des Magus gen Borontempel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als die Gruppe in der Nacht zu Racona von Salzas Wohnstatt zur\u00fcckkehrte, war Ludevico ungew\u00f6hnlich still und kehrte ohne Worte auf sein Zimmer zur\u00fcck, um sich bettfertig zu machen. Er lag noch lange nachdenklich da und k\u00e4mpfte mit Gewissensbissen. Warum hatten wir eigentlich Firl mitgenommen? 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