{"id":4399,"date":"2013-07-30T22:34:35","date_gmt":"2013-07-30T20:34:35","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=4399"},"modified":"2013-07-30T22:35:19","modified_gmt":"2013-07-30T20:35:19","slug":"aufbruch-reise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=4399","title":{"rendered":"Aufbruch &#8211; Reise"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Als die Pferde gesattelt waren und auch Ludevicos treuer Esel, da murmelte der andergastsche H\u00e4ndler der Gruppe zu: &#8222;Ich muss noch kurz etwas erledigen.&#8220; Dann nahm er aus seiner Satteltasche eine h\u00f6lzerne runde und l\u00e4ngliche Schatulle heraus und verschwand damit z\u00fcgigen Schrittes im Gasthaus. Dort angekommen, musste er sich erst ein wenig an die Dunkelheit gew\u00f6hnen, denn drau\u00dfen hatte die Praiosscheibe den Hof in ein helles Licht getaucht, das trotz des kalten Wintertages etwas angenehme W\u00e4rme verbreitete. Hier drinnen spendete ein traviagef\u00e4lliges Kaminfeuer wohlige W\u00e4rme; das war ihm auch wesentlich lieber. Im Gastraum befand sich, das bemerkte er, als sich die Stube von fast vollkommener Dunkelheit in ein D\u00e4mmerlicht verwandelte, nur noch Thalania, die ihn zun\u00e4chst verwundert, dann freundlich anschaute. Sie \u00f6ffnete den Mund, als wolle sie etwas sagen, doch Ludevico unterbrach sie gleich mit einem Kopfsch\u00fctteln und l\u00e4chelte ihr zu. Sie zuckte nur kurz mit den Schultern und fuhr fort, die Gaststube zu reinigen, nun, da der gro\u00dfe G\u00e4stepulk, der sie ja nunmal waren, einmal das Haus verlie\u00df. Ludevico ging auf das Kaminfeuer zu, nachdem er sich sicher war, dass die Magd ihn nicht weiter beachtete. Er \u00f6ffnete die Schatulle, holte raschelnd das Pergament, das er die Nacht zuvor so sorgf\u00e4ltig schrieb, heraus und lie\u00df es ohne Z\u00f6gern in die Flammen fallen. Es knisterte heftig, als die Flammen sich durch die trockene Schweinehaut fra\u00dfen. Er blieb noch ein wenig vorm Feuer stehen, sichergehend, dass auch der letzte Rest vom Schriftst\u00fcck verbrannte und kehrte dann mit der leeren Schatulle nach drau\u00dfen zur\u00fcck. Die anderen schauten ihn erwartungsvoll an. Er meinte nur: &#8222;Wir k\u00f6nnen dann los.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie waren gerade ein paar Stunden unterwegs, es war ein wundersch\u00f6ner Wintertag. Die Praiosscheibe schien, eine leichte Brise spielte mit Ludevicos unter seinem grauen Filzhut hervorschauendem Haar. Auf den Tannenspitzen gl\u00e4nzten von der Ferne einige zu Eis gefrorene Wassertropfen, sodass es schien, als funkelten die Sterne bei Tage. Ein L\u00e4cheln zauberte sich auf Ludevicos Gesicht, lie\u00df sich von der Gruppe ein wenig zur\u00fcckfallen und geriet ins Gr\u00fcbeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ja, das waren so andere Gesellen, als die gekaufte S\u00f6ldnergruppe, die sich kurz vor Hillhaus einfach so TROTZ BEZAHLUNG aus dem Staub machten und im Stich lie\u00dfen. Einfach so nach dem Nachtlager verlassen worden bin ich. Die Pferde Hatten sie auch mitgenommen. \u00a0Der Gedanke daran l\u00e4sst mich vor Wut fast bersten! \u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein zarter Windhauch fegte ein wenig liegengebliebenen Schnee von einer Tanne direkt in seinen Nacken. Nach einigem Gefluche und Get\u00f6se befreite sich der H\u00e4ndler vom \u00dcbel, sch\u00fcttelte sich kurz und besann sich wieder auf seine Gedanken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Auch wenn mir der Almadaner viel zu voll mit Rondrastolz und praiotischer Rechtsauffassung war, so band ihn das doch allzu vorz\u00fcglich an mich. Er hatte sich als n\u00fctzlicher Verb\u00fcndeter erwiesen. F\u00fcr einen Schwertgesellen war er erstaunlich gewieft und schien Kopf vor Herz durchs Leben zu gehen. Hoffen wir, dass, sollte das alles vorbei sein, sich eine Gelegenheit ergibt, ihn dauerhaft zu binden. N\u00fctzliche Leute sind hierzulande rar, so musste ich mit bedauern feststellen. Und von der handvoll n\u00fctzlicher gibt es einen Finger voll zuverl\u00e4ssiger, die ihn nicht gleich bei der besten Gelegenheit verraten. Ja, Rondrigo hatte seinen Wert bewiesen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie passierten eine kleine Furt, das Wasser sprudelte Gurgelnd und Glucksend \u00fcber die Steine und streichte \u00fcber die am Rand des Flusses h\u00e4ngenden Eisplatten, die noch dort hingen, scheinbar wartend, bis dass Taue oder der Fluss selbst sie mitrissen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ja, das ist ein regelrechtes Konzert! Ich sollte wohl \u00f6fters in der Natur unterwegs sein. Die B\u00e4ume nat\u00fcrlich, die so herrlich durch Peraines Gabe wuchsen, und sich dann ohne viel zutun in bares Gold verwandelten, haben nat\u00fcrlich ihren Nutzen. Doch der erholsame Effekt der baren Natur auf das Wohlbefinden? Hmmm, ob man das zu Geld machen kann?\u00a0<\/em>Ludevico holte ein Pergament aus der Satteltasche, kritzelte mit einem Griffel etwas darauf und verstaute das ganze wieder.\u00a0<em>Ich werde sp\u00e4ter dar\u00fcber nachdenken. Kam nicht diese Hebamme irgendwo hier aus der N\u00e4he? Ich muss sie bei Gelegenheit einmal fragen. Sie hat mich von allen am meisten \u00fcberrascht. Ich dachte nicht, dass in einem &#8211; vor allem WEIBLICHEN &#8211; Wesen so viel Potenzial und Anmut steckt. Noch nie habe ich eine Frau so wahrgenommen. Erst Mutter, die nun ihre gerechte Strafe f\u00fcr ihr Handeln abbekam, dann Lysandra . Hach, Lysandra, warum musstest du mich so hintergehen? Nun gut, Jugends\u00fcnden. Aber Mara hatte dieses Bescheidene. Sie wollte mich nicht gleich kontrollieren, und sie war nicht an meinem Geld interessiert. Nat\u00fcrlich kann das auch eine ganz ausgephexte Sache sein. Aber ich kenne Menschen. Die meisten jedenfalls. Ich sah den pl\u00f6tzlichen Stolz in ihren Augen. Hatte sie etwa noch nie f\u00fcr Ihre vorz\u00fcglichen Leistungen Geld genommen? Ich habe ja die Auflistung gesehen. Ich kenne mich zwar mit den Preisen bei Heilern nicht so gut aus, doch es kam mir vor, als h\u00e4tte sie mir einen gro\u00dfen Rabatt gegeben. Ich h\u00e4tte es alles umsonst haben k\u00f6nnen. Der Verlust des Geldes schmerzt schon, doch mir kommt es vor, das sei es wert gewesen. In ihr hat sich ein Tor ge\u00f6ffnet. Vielleicht nur ein bisschen. Doch scheinen sich dahinter \u00a0f\u00fcr sie interessante Dinge zu befinden. Reitet und bewegt sie nun nicht anders? Mir kommt es vor, als sei sie um ein paar Finger gewachsen.\u00a0<\/em>Auf sein Gesicht zauberte sich erneut ein L\u00e4cheln. Er konnte mit seiner Arbeit hier zufrieden sein. Denn trotz der Verz\u00f6gerung hatte ihn die Gesellschaft um einiges vorangebracht.\u00a0Behindert hatte ihn nur Aimos, doch hoffentlich hat sich das jetzt gelegt. H\u00e4tte es sich wohl auch fr\u00fcher, wenn er ihm die Befreiung aus dem Elfendorf entlohnt h\u00e4tte. Vergangen ist vergangen, den Blick sollte man in die Zukunft richten! Wenn Phex ihm hold ist, sehen sie sich \u00fcber lang sowieso nicht wieder.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Hm zu dem Edlen aus Havena kann ich mir keine so rechte Meinung bilden. War er am Anfang noch voller Trauer und verst\u00e4ndlicherweise abweisend, so legte sich das zunehmends. Sehr geliebt zu haben schien er ihn ja wohl nicht. Etwas sprunghaft und affektiert. Also mir ist das ja nichts, M\u00e4nner miteinander.\u00a0<\/em>Ihm schauderte bei dem Gedanken.<em>\u00a0Aber sollen sie nur, solange sie mich nicht einbeziehen. Ich habe ja sogar zu dem Esel ein besseres Verh\u00e4ltnis als zu ihm. Ja, du hast mir gute Dienste geleistet, Grauer. Sollst auch in Winhall ordentlich viel Heu bekommen. Ich schaue, ob man sich um dich k\u00fcmmert. Nicht einmal gebockt hast du. Und um dich wird sich ordentlich gek\u00fcmmert!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend sie weiterritten, ver\u00e4nderte sich die Landschaft unmerklich. Die noch vereinzelt herumstehenden Eichen wichen zunehmends den Tannen und hier und da sah man das Sonnenlicht, das sich an einzelnen T\u00fcmpeln brach, die in der Gegend verteilt waren. Der Tag war jedoch noch jung und Winhall weit. Ludevico lie\u00df den Grauen wieder zur Gruppe aufschlie\u00dfen und suchte das Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als die Pferde gesattelt waren und auch Ludevicos treuer Esel, da murmelte der andergastsche H\u00e4ndler der Gruppe zu: &#8222;Ich muss noch kurz etwas erledigen.&#8220; Dann nahm er aus seiner Satteltasche eine h\u00f6lzerne runde und l\u00e4ngliche Schatulle heraus und verschwand damit z\u00fcgigen Schrittes im Gasthaus. 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