{"id":432,"date":"2010-09-08T21:15:27","date_gmt":"2010-09-08T19:15:27","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=432"},"modified":"2013-02-26T18:11:01","modified_gmt":"2013-02-26T17:11:01","slug":"ein-gar-denkwurdiger-tag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=432","title":{"rendered":"Ein gar denkw\u00fcrdiger Tag"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>Noch fr\u00fch am Morgen, als die Praiosscheibe gerade begann sich \u00fcber den D\u00e4chern der H\u00e4user der Stadt Ferdok zu erheben,\u00a0 stemmte sich Junker Sieghelm G. von Spichbrecher aus seinem Bett. Das Schlafgemach dass ihm die hochachtbare Dame ai Tamerlein zu Verf\u00fcgung gestellt hatte war prunkvoll und stilvoll eingerichtet, ganz wie es Sieghelm aus fr\u00fchenen Zeiten gewohnt war, auch wenn er inzwischen \u2013 sp\u00e4testens zu seiner Zeit an der Kriegerakademie \u2013 einen kargeren Lebensstil gewohnt war.<\/p>\n<p>Er beeilte sich mit der Morgentoilette und dem anschlie\u00dfenden Ankleiden um auf keinen Fall seinen gro\u00dfen Tag zu verpassen, dem Tag an dem er \u2013 Junker Sieghelm Gilborn von Spichbrecher zu Dettenhofen, Absolvent der Kriegerakademie der Feuerlilien zu Rommilys, ein bedeutendes Artefakt der Praioskirche an die Geweihtenschaft des G\u00f6tterf\u00fcrsten \u00fcbergeben\u00a0 w\u00fcrde. Ein letztes Mal pr\u00fcfte er seine Kettenteile, seinen Wappenrock und seine Schwerter auf ihre akkurate Sauberkeit und verlie\u00df dann das Anwesen der Hochachtbaren Dame um seinen kleinen Gef\u00e4hrten Pagol, seinen Jagddackel, abzuholen.<\/p>\n<p>Entgegen Sieghelm Erwartung waren die Stra\u00dfen an diesem morgen bereits sehr belebt, gesch\u00e4ftiges Treiben \u00a0herrschte auf den gestampften Stadtpfaden. Romo und Gilbert, die zwei Mannen seiner Infanterieeinheit standen ebenfalls, wie bereits am Abend zuvor befohlen, \u00a0bereit.<\/p>\n<p><em>\u201cPraios zum Gru\u00dfe die Herren.\u201d<\/em> gr\u00fc\u00dfte Sieghelm die beiden M\u00e4nner die in die teils blauen Wappenr\u00f6cke der Stadt Hammerschlag geh\u00fcllt waren. Rumo fuhr herum und entgegnete den Gru\u00df des Junkers. Sieghelm baute sich w\u00e4hrendessen auf, atmete tief ein und setzte zu einer wohl \u00fcberlegten und pathetischen rede an: <em>\u201cIhr d\u00fcrft stolz sein an diesem Tage jenem ehrw\u00fcrdigen Moment beiwohnen zu d\u00fcrfen, welcher euch heute zuteilwerden wird. Ihr werdet noch euren Enkelkindern von jenem Tag erz\u00e4hlen an dem ihr dabei gewesen wart, als der damalige Junker Sieghelm Gilborn von Spichbrecher zu Dettenhofen, den erhabenen Praiosschild \u2013 ein Artefakt des Ersten Alverans\u00a0 \u2013 aus den H\u00e4nden des b\u00f6sen entrissen hat um es wieder in den rechtm\u00e4\u00dfigen Besitz der Kirche zur\u00fcckzuf\u00fchren.\u201d \u201cOhja, ich kann es kaum erwarten.\u201d<\/em> sprach Rumo und unterdr\u00fcckte dabei ein G\u00e4hnen, Gilbert hingegen schien etwas begeisterter und hing an Sieghelms Lippen. <em>\u201cGanz bestimmt, Herr \u2013 d\u00fcrfen wir der Feierlichkeit beiwohnen?\u201d<\/em> Sieghelm setzte ein L\u00e4cheln auf und schaute verwegen an seinen beiden Mannen vorbei\u00a0 \u2013 als der Junker noch mehreren Sekunden nicht auf die Frage von Gilbert reagierte setzte er nach: <em>\u201cHerr Junker? Verzeihung?\u201d<\/em><em> \u201cWas? Achso, ja \u2013 nat\u00fcrlich.\u201d <\/em>Sieghelm wurde aus seiner sichtlichen Gedankenverlorenheit herausgerissen \u2013 denn in seinem Tagtraum war er bereits bei seinem Ritterschlag Zuhause in Rommilys<em>. \u201cLasst und gehen, dort hinten stehen die Wachen der Hochachtbaren Dame bereits auf uns \u2013 zusammen mit der Truhe mit dem Artefakt.\u201d<\/em> Sieghelm ging mit seinen Mannen zusammen zu der Eskorte von Nahema ai Tamerlein, die sie ihm freundlicherweise f\u00fcr die Begleitung zum Tempel zur Verf\u00fcgung gestellt hatte. Zusammen mit den Wachen der Dame, seinen beiden Leuten aus der Infanterie, als auch dem Gelehrter Herrn Nehazet und der werten Azina ging es dann auf zum Praiostempel \u2013 nat\u00fcrlich war Pagol auch dabei.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des kleinen Marschs, lie\u00df Sieghelm die Ereignisse des vergangenen Tages noch einmal vor seinen geistigen Auge Revue passieren: Leider konnte der Ring der Hesinde nicht gerettet werden, dieser vermaledeite Papagei hatte es doch tats\u00e4chlich geschafft den Ring zu bekommen und mit ihm davon zu fliegen, doch aus irgendeinen Grund schien die Hochachtbare Dame davon nicht allzu entr\u00fcckt, ja schon fast Leidenschaftslos \u2013 und \u00fcberhaupt schien sie irgendwie alles nicht wirklich zu tangieren. Sieghelm wurde aus der Frau nicht schlau, und dieser mystische Schleie der sie umgab, wurde nur noch mehr durch die Tatsache gesch\u00fcrt, dass sie Praiosartefakt einfach so wieder her gab. In der Reliquienkammer des Frau hingen und standen einige Kostbarkeiten, zudem stellte sie der Gesellschaft das Schild als \u201cAus der Kh\u00f4m-W\u00fcste geborgen\u201d vor \u2013 was es wohl damit auf sich hatte? Sieghelm w\u00fcrde mehr dar\u00fcber in Erfahrung bringen m\u00fcssen wenn das Schild irgendwann offiziell pr\u00e4sentiert wurde und man ihn erneut zu einer Rede anhielt.<\/p>\n<p>Neben dem Krieger h\u00fcpfte Pagol, der treue Dackel, an den Beiden seines Herrchens neugierig empor. <em>\u201cWas hast du denn, Pagol?\u201d<\/em> fragte Sieghelm und blieb f\u00fcr einen Moment stehen \u2013 wodurch der gesamte Trott, bestehend aus mehreren Wachen ebenfalls zum erliegen kam. Pagol bellte kurz auf und sah bittend zu seinem Herrchen auf. Sieghelm schaute sich um und entdeckte einen Marktstand der abgehangene W\u00fcrste verkaufte. <em>\u201cAchso \u2013 ich verstehe.\u201d<\/em> sagte er, und dann zu der Eskorte: <em>\u201cEinen Moment, es kann gleich weiter gehen.\u201d<\/em> Sieghelm ging zu dem Stand und erwarb zwei der leckersten und besten W\u00fcrste die der Stand zu bieten hatte \u2013 eine f\u00fcr sich, und eine f\u00fcr Pagol. Danach ging er weiter.<\/p>\n<p><em>\u2018Wie in Praios Namen konnte der Gestaltwandler es nur schaffen Wein zu trinken ohne sich zu verfl\u00fcssigen? Wir hatten doch die Information von dem Geweihtes des Praios, dass Alkohol ihn in seine nat\u00fcrliche Form verwandeln w\u00fcrde?\u2019<\/em> \u2013 dachte der Baronssohn und drehte dabei nachdenklich die Wurst zwischen den Fingern hin- und her. <em>\u2018Irgendwo in der Stadt muss au\u00dferdem noch ein toter Roban Gr\u00fcntal liegen, da der Gestaltwandler ja seine Form angenommen hat \u2013 ich muss der Stadtgarde noch Bescheid geben<\/em>. <em>Ob Ulwine Neisbeck, die H\u00e4ndlerin, wohl mit zu diesem Komplott geh\u00f6rt? Immerhin haben wir aus ihrem Kontor das Schild entwendet, wusste sie etwa davon? Aber wenn ja, wieso hatte der Gestaltwandler dann nicht versucht das Schild selbst zu bergen? Nein Nein, Frau Neisbeck wird davon nichts gewusst haben, au\u00dferdem w\u00fcrden sich die Bannstrahler wohl bald ihrer annehmen da sie immerhin das Schild heimlich transportierte.\u2019<\/em><\/p>\n<p>Diese, und noch viele weitere Gedanken gingen dem Junker durch den Kopf, auf dem Traviaplatz, welcher vor dem Praiostempel ist, machte die Eskorte dann f\u00fcr einen Moment halt, Sieghelm war n\u00e4mlich wieder stehen geblieben und blickte zu der erhabenen, pr\u00e4chtigen und gro\u00dfen Kirche des G\u00f6tterf\u00fcrsten empor. Es war ein Bauwerk von wahrer Anmut und Gr\u00f6\u00dfe, die Fenster waren hochgezogen und mit Bleiverglasungen versehen, die Mauern dick und kr\u00e4ftig, und auf der Spitze prunkte das g\u00fcldere Symbol Praios, das immer wachende Auge, schon als Kind war Sieghelm fasziniert von der Bauweise der Praioskirchen, denn auch in Rommilys gab es ein sehr pr\u00e4chtiges Bauwerk. Da fiel Sieghelm erneut das Gespr\u00e4ch mit dem Gelehrten Herrn Nehazet ein, der doch tats\u00e4chlich Phex an Praios Stelle setzen wollte, an die Stelle des G\u00f6tterf\u00fcrsten \u2013 welch ein Frevel!<\/p>\n<p><em>\u201cGelehrter Herr \u2013 seht dieses Geb\u00e4ude und lasst euch von seiner Gewaltigkeit und Kraft einfangen \u2013 und nun sagt erneut das ihr immer noch davon \u00fcberzeugt seid, dass der Fuchsgott tats\u00e4chlich der wahre G\u00f6tterf\u00fcrst sei \u2013 denn im Gegensatz zu diesem Bauwerk, welches dem Herrn Praios geweiht ist, sind die Geb\u00e4ude des Herrn Phex Kaschemmen und Spelunken.\u201d <\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch fr\u00fch am Morgen, als die Praiosscheibe gerade begann sich \u00fcber den D\u00e4chern der H\u00e4user der Stadt Ferdok zu erheben,\u00a0 stemmte sich Junker Sieghelm G. von Spichbrecher aus seinem Bett. 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