{"id":243,"date":"2011-08-29T15:14:59","date_gmt":"2011-08-29T13:14:59","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=243"},"modified":"2011-11-22T14:18:36","modified_gmt":"2011-11-22T13:18:36","slug":"liebe-eltern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=243","title":{"rendered":"Liebe Eltern"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Mama, lieber Papa,<\/p>\n<p>ich bin es, Azina, eure verlorene Tochter. Macht euch bitte keine Sorgen, denn mir geht es gut.<\/p>\n<p>Es schmerzt mich, dass Ihr durch meinen Weggang so Vieles erleiden musstet. Es tut mir sehr sehr leid. Die Schande, die ich \u00fcber euch und die Familie gebracht habe, war einfach zu gro\u00df, als dass ich es verdient h\u00e4tte noch l\u00e4nger bei euch zu leben. Ich w\u00e4re euch nur zur Last gefallen. Nach unseren Sitten war ich wertlos und entehrt. Ich konnte meinen vorherbestimmten Weg nicht beschreiten. Also floh ich aus meiner geliebten Heimat, um in der Ferne ein neues Gl\u00fcck zu suchen.<\/p>\n<p>In den letzten Jahren bin ich eine Andere geworden. Das kleine aufgeregte M\u00e4dchen mit einem Faible f\u00fcr Tiere und Pflanzen ist im Begriff in einer starken Kriegerin und J\u00e4gerin zu verschwinden. Die Liebe zu meinen tierischen Gef\u00e4hrten ist jedoch, nach wie vor, ungebrochen. Aus dem kindlichen Faible ist eine tiefe seelische Verbindung geworden. Anfangs Falkie und nun Bakkus, den ich nach einem verstorbenen Kameraden benannte, gaben mir den Halt die schweren Zeiten zu \u00fcberstehen.<\/p>\n<p>Am Anfang meiner Flucht, stand die Suche nach einer wohlhabenden Familie. Jedoch lehrten mich die harten Jahre der Unabh\u00e4ngigkeit eine andere Lebensweise. Um zu \u00fcberleben musste ich sowohl k\u00f6rperlich als auch geistig h\u00e4rter und st\u00e4rker werden, als ich es als vornehme Edelfrau je vermocht h\u00e4tte. Schmutz und Schlamm entstellten mein Antlitz. Blut besudelte meinen K\u00f6rper. Und ich war nicht mehr f\u00e4hig und w\u00fcrdig, mich einem (wohlhabenden) Mann hinzugeben. Eine Schande! Ich traute mich nicht, euch zu schreiben. Ich konnte nichts, was f\u00fcr euch vom Wert war, vorweisen. So dachte ich traurig. Erst Onkel Omar, den ich dank gl\u00fccklicher F\u00fcgung in Fasar antraf, belehrte mich eines Besseren. Mein Leben, meine Gesundheit und meine Freiheit, sind die Dinge, die ich vorweisen kann. Es ist nicht viel, aber mehr als Ihr, wie ich h\u00f6rte, zu hoffen wagtet.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte euch nun, von Anfang an, von meinen Erlebnissen und Taten erz\u00e4hlen, damit ihr wisst, was mir in den letzten Jahren wiederfuhr.<\/p>\n<p>Das erste Jahr verdingte ich mich als Viehtreiberin, Tierpflegerin, Zureiterin und \u00e4hnlichen. Es war das schwierigste Jahr, da ich kaum Erfahrung mit Menschen der verschiedenen Schichten hatte. Es war die Zeit in der ich lernte mit der Waffe umzugehen, um sich der zahlreichen Banditen und Sch\u00e4ndern zu erwehren, die meiner bedrohten. Ich traf auf viele Personen unterschiedlicher Herkunft. Auf einen mittell\u00e4ndischen Rondrageweihten namens Tornado, auf Dara, eine mittell\u00e4ndische Bogenbauerin, auf den schmucken Waldmenschen Bakus und einem merkw\u00fcrdigen Elfen, dessen Name mir leider entfiel. Von diesem Tage an, waren meine Zeiten als sklaven\u00e4hnliche Dienerin vorbei. Ich schloss mich diesen Leuten an und erlebte viele aufregende und gef\u00e4hrliche Abenteuer.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst waren es nur Botendienste f\u00fcr wenig Kupfer und Heller. Sp\u00e4ter gesellten sich Aufkl\u00e4rungsmissionen und H\u00e4ndlerschutz f\u00fcr ein paar Silber hinzu. Wir zogen durch das ganze Mittelreich. Besiegten Harpyien, vereitelten Pl\u00e4ne niedertr\u00e4chtiger Magier, schlugen dreiste Strolche, verhandelten mit Trollen, erl\u00f6sten einen ganzen Wald von d\u00e4monischer Pervertierung durch eine Druidenhexe und trafen andere fabelhafte Wesen.<\/p>\n<p>Mich traf eine Vision, die mein Leben entscheidend ver\u00e4ndern sollte. Die Sinne schwanden mir und in einem nebenumwaberten Steinreis erschien ein fremder Kaputzenmann, der einige unverst\u00e4ndliche Worte an mich richtete. Als wir wieder zu uns kamen, trug ein jeder von uns ein g\u00f6ttlliches Amulett. Tornado erhielt das Amulett der Rondra, Dara unerwartet das Amulett des Phex. Ich selbst trug von nun an, ein wei\u00dfes Amulett mit einem Bergkristall \u2013 das Zeichen Firuns &#8211; auf meiner Brust. Wir wussten nicht, was wir davon halten sollten und stellten Nachforschungen an. Jedoch konnte uns niemand sagen, was dies bedeutet. Die Spekulationen liefen darauf hinaus, dass wir in irgendeiner Form von den G\u00f6ttern erw\u00e4hlt wurden. Aber das Zeichen Firuns in meinen H\u00e4nden? Damals schien ich mir nicht w\u00fcrdig es zu tragen. Ich war noch recht kindlich zu mir und meiner Umwelt. Doch die Ereignisse st\u00e4hlten mich zusehends.<\/p>\n<p>Mit der Zeit gesellten sich weitere Personen meiner Gemeinschaft hinzu, w\u00e4hrend einige andere verschwanden. Bakus wurde von heimt\u00fcckischen Rassisten hinterh\u00e4ltig ermordet, w\u00e4hrend Tornado von Rondras Kirche beantsprucht wurde. Der mysteri\u00f6se Elf entschwand eines Tages ungesehen. Zu Bakus Ehren, nannte ich den kleinen nivesischen Steppenhund, den ich auf der Stra\u00dfe fand Bakkus. Ich bildete ihn mit der Zeit zum Jagdhund aus. Inzwischen ist er ein treuer Gef\u00e4hrte.<\/p>\n<p>Dara und mir schlossen sich der edle Schwertgeselle Igan und ein verarmter ehemaliger Sklave aus Al\u2019Anfa namens Conner an. Gemeinsam erkl\u00e4rten wir die mysteri\u00f6sen Ph\u00e4nom\u00e4ne um Burg Siegstein, in der Baronie Hammerschlag auf, tranken mit einer Kr\u00e4uterfrau Tee und sprachen mit den ehrw\u00fcrdigen Druiden des Eises, deren Sippe brutal geschlachtet wurde. In dieser Gegend und zu dieser Zeit, befand sich auf Burg Siegstein ein, mit Runen geschm\u00fcckter, wei\u00dfer Speer. Das Artefakt Firuns! Hell erleuchtete er den modrigen Keller, als ich ihn das erste Mal in den H\u00e4nden hielt. Eine Welle der Kraft durchflutete meinen K\u00f6rper. Ich f\u00fchlte mich vollst\u00e4ndiger. Ich lernte diese m\u00e4chtige Waffe zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Die hochwohlgeborene Palmeya ben\u00f6tigte dringend Geleit und Schutz auf ihren steinigen Weg \u00fcber den Rashtulswall nach Aranien. Ihr feindlich gesinnter Hofmagier erschwerte unseren Weg. In einem Kampf mit kreischenden Haryien an einem steilen Abhang verlor ich ungl\u00fccklich den Runenspeer. Der starke Leibdiener Palmeyas hingegen verlor bei den K\u00e4mpfen sein Leben. Schwer angeschlagen, vollbrachten wir das Unm\u00f6gliche und brachten Palmeya zur\u00fcck in Ihre Residenz. Ich war der Heimat n\u00e4her denn je und beschloss euch zu besuchen. Ich wusste nur noch nicht, was ich euch sagen sollte. Denn noch immer f\u00fchlte ich mich nicht bereit dazu. Die Schande lag noch greifbar in der Luft.<\/p>\n<p>Die Entscheidung wurde mir abgenommen. Der erz\u00fcrnte Hofmagier schickte uns mit einem Zauber in das Bornland. Falkie blieb dabei in Aranien zur\u00fcck. Au\u00dfer mir vor Zorn und Wut trat ich die Reise zur\u00fcck gen Praios an. Ich hoffte, dass Falkie den Weg zur\u00fcck zu euch finden w\u00fcrde und ich ihn bei meiner R\u00fcckkehr wieder sehen werde.<\/p>\n<p>Im Bornland trafen wir auf den Horasier Nicolo de Castelani. Mit seiner Hilfe erhielten wir nun offizielle Auftr\u00e4ge von hohen Gesellschaften. Nach einigen kleineren \u00f6rtlichen Gegebenheiten, schickte uns ein Bannstrahler in die schwarzen Lande, um einige geheime Schriften zu holen, die den Umbruch der Herrschaft in dem verfluchten Land bedeuten sollte. Noch auf dem Hinweg befreiten wir ein Dorf von einem blutr\u00fcnstigen Vampir. Wir erbeuteten schlie\u00dflich die geheimnisvollen Schriften und flohen aus dem Land.<\/p>\n<p>Ein verwirrter Magier namens Melami entsprang direkt auf unserem Pfad aus einem Portal gefolgt von einem Eisgolem. Nachdem wir diesen niederstreckten, bot uns der Magus einen Auftrag in seiner Heimat an. Wir ahnten nicht, dass diese Heimat sich s\u00fcdlich des Dschungels befand. Al\u2019Anfa war unser Ziel. Wir sollten einige Zutaten besorgen, die Melami ben\u00f6tigte, um uns f\u00fcr einen Kampf gegen einen Eisdrachen zu r\u00fcsten. Beinahe endete ich als Feld-Sklavin. Nur mit Gl\u00fcck entging ich diesem Schicksal. Mit Zaubertr\u00e4nken ausgestattet stahlen wir dem Drachen ein Ei, welches der Sph\u00e4renwanderer Melami ben\u00f6tigte. Am Ende schickte er uns zur\u00fcck in die Mittellande in die N\u00e4he von Hammerschlag. Nicolo bekam eine Stellung als Voigt f\u00fcr die L\u00e4ndereien von Hammerschlag. Wir blieben einige Zeit in der N\u00e4he. Unsere Wohnstatt war die Burg Siegstein. Die lokalen Ph\u00e4nomene lie\u00dfen uns keine Ruhe. Ein Magier mit dem Kurznahmen Adeptus Nehazet ay Yashualay von Punin Alam el Ketab Rohaldor ibn Tulachim ibn Rashim ibn Reshim ibn Al\u2019rik al\u2019Fessir ibn Abu ibn Abdul ibn Rohal ibn Dschelef ay Yalaidim ibn Ali ibn Zulhamin al\u2019Tulam ibn \u2026 usw. und der Hauptmann der Stadtwache Sieghelm Gilborn von Spichbrecher wurden uns von der Baronie zur Seite gestellt, um die merkw\u00fcrdigen (magischen) Ph\u00e4nomene zu untersuchen.<\/p>\n<p>Einen Djin, versteinert von einem Orkschamanen in einem zwergischen Bergwerk, der die Luft in den Kammern verseuchte, brachten wir nach Burg Siegstein, um ihn zu untersuchen. Wir \u00fcberw\u00e4ltigten eine Horde marodierender Orks, welche die Gegend unsicher machten. Tote Elfen mit abgeschnittenen Ohren und Elfenpfeile in einer zerst\u00f6rten Zwergensiedlung, entfesselten beinahe einen Krieg zwischen den Zwergen und den Elfen auf dem Boden Hammerschlags. Wir handelten einen Frieden aus. Dreiste Goldkistendiebst\u00e4hle eines ganzen Banditenringes kl\u00e4rten wir auf. Ein orangegewandeter Blutmagier aus fremden Sph\u00e4ren lie\u00df nicht mit sich reden. Verwitterte mit Ranken umwachsene W\u00e4chterstatuen vor einem bl\u00fchenden Druidengrab griffen, von uns allarmiert, ein, aus einem Pferdeleichnam entsprungenes, D\u00e4monengesch\u00f6pf an. Blutige D\u00e4monenaustreibungen folgten mit Hilfe einer Hexe auf dem Fu\u00dfe. Wir sammelten die herzzerrei\u00dfenden Tr\u00e4nen einer kleinen Fee, um ein magisches Ritual zu vollziehen.<\/p>\n<p>Wichtige Gesch\u00e4fte f\u00fchrten uns gen Firun nach Ferdok, wo wir an einem hochherrschaftlichen kultivierten Ball teilnahmen. Auf jenen Ball entlarvten wir einen diebischen maskierten Verr\u00e4ter. Der Kopf der Bande, ein intelligenter Papagei, entkam uns leider. Wir freundeten uns mit einer s\u00fc\u00dfen Schelmin an, die auf dem Ball einiges an Schabernack trieb. Einen g\u00f6ttlichen Gegenstand befreiten wir aus unw\u00fcrdigen H\u00e4nden und \u00fcbergaben ihn der Kirche.<\/p>\n<p>Im Keller der einer untergegangen Magierakademie verfolgte uns ein Steingolem, so hoch wie die Mauern der Tunnel und so hart wie der Fels der Erde. Von ihm getrieben gelangten wir durch phantastische Limbusreisen zu unglaublichen Orten. Auf der Lichtung der schluchzenden Fee betraten wir wieder aventurischen Boden. Die Erinnerung an jene Orte verschwimmt allm\u00e4hlich im Nebel der Vergessenheit.<\/p>\n<p>Wir verteidigten ein Gasthaus gegen den Angriff d\u00e4monenbeeinflusster V\u00f6gel und erneuerten den Bann auf einem der Gef\u00e4\u00dfe Rohals.<\/p>\n<p>Nach einiger Zeit nahmen Nehazet und ich eine Karavane nach Khorestan. Mit dabei diente als Wachschutz der Schwertgeselle Rowin. Der regierende Emir beauftragte Nehazet, den Staudamm dazu zu bringen, erneut Wasser zu spenden. Die Hexe Delia und der Schwertgeselle Rowin schlossen sich uns an. Der Damm wurde einst magisch versiegelt. Die Suche nach den verlorenen Ritualgegenst\u00e4nden f\u00fchrte uns bis nach Fasar, wo ich Onkel Omar traf, der mir von eurem Ungl\u00fcck erz\u00e4hlte. Ich entschloss mich mit unendlichem Wehmut, diese Zeilen zu schreiben, um euch nicht l\u00e4nger mit Ungewissheit zu qu\u00e4len.<\/p>\n<p>Stets traf ich auf meiner Reise wohlhabende M\u00e4nner. Doch die teils grausamen Ereignisse und die Lehren Firuns lie\u00dfen mich erh\u00e4rten. Es ging so weit, dass ich in Khorestan als Achmad Sunni gehandelt werde. Die Dschadra, die ich einem Sklavenh\u00e4ndler im Kampf abnahm, tat ihr \u00dcbriges zu dem Erscheinungsbild dazu. Mit solch einem Ruf und Ansehen verdingte ich mich als W\u00e4chterin f\u00fcr Marktst\u00e4nde und Begleitschutz f\u00fcr Karavanen.<\/p>\n<p>Meine Reise ist noch nicht beendet, meine Mission noch nicht erf\u00fcllt. Gro\u00dfe Aufgaben liegen noch vor mir. Firuns Wille wird mich leiten. Macht euch bitte keine Sorgen. Ich habe m\u00e4chtige Verb\u00fcndete, die mir in der Not beistehen. Vergr\u00e4mt euch nicht meine geliebten Eltern, ich bin in Gedanken stets bei euch. Werde wieder gesund Mama, damit ich dich bei meinen baldigen Besuch in die Arme schlie\u00dfen kann.<\/p>\n<p>Firun zum Gru\u00dfe.<\/p>\n<p>in Liebe eure,<\/p>\n<p>Azina saba Belima<\/p>\n<p>______________________________<\/p>\n<div>\n<p>Brief von Azina an ihre Eltern<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Mama, lieber Papa, ich bin es, Azina, eure verlorene Tochter. Macht euch bitte keine Sorgen, denn mir geht es gut. Es schmerzt mich, dass Ihr durch meinen Weggang so Vieles erleiden musstet. Es tut mir sehr sehr leid. 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