{"id":241,"date":"2011-08-22T15:14:20","date_gmt":"2011-08-22T13:14:20","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=241"},"modified":"2011-11-22T14:18:59","modified_gmt":"2011-11-22T13:18:59","slug":"verwirrt-und-eiskalt-mit-erhitztem-gemut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=241","title":{"rendered":"Verwirrt und Eiskalt mit erhitztem Gem\u00fct"},"content":{"rendered":"<p>Wie lange denn noch? Wenn man bedenkt, dass wir die gleiche Strecke noch einmal zur\u00fccklegen m\u00fcssen, wird mir ganz trist zumute.<\/p>\n<p>Leider konnten wir nicht l\u00e4nger im Hause des Rafim bleiben. Das Essen war vorz\u00fcglich und das Nachtlager weich und bequem. Aber irgendwie haben wir es geschafft, seinen Unmut auf uns zu ziehen. Delia meinte, es liegt daran, dass wir den Ostfl\u00fcgel verw\u00fcsteten und eines seiner Scho\u00dftierchen t\u00f6teten. An beides kann ich mich, dank des Rauschkrautes und der G\u00fcrkchen, nicht so recht erinnern. Wir wohnten einem Gauklerfest auf dem Palasthof bei. Eine ausgesprochen gesellige Runde, auf Kissen gebetteter, Edelleute. Diese harmlose Situation endete irgendwie in einem Fiasko. Zwar erz\u00e4hlte mir Delia davon, aber so recht glaubw\u00fcrdig klingt das nicht. Aber was ist das schon \u2013 glaubw\u00fcrdig. Zumindest\u00a0 bin ich bereit dieser Geschichte mehr Glauben zu schenken, als den angeblichen Falschgeldpr\u00fcfern. Niederer Wicht, blinder Gauner, elender Dieb unter dem Deckmandel eines d\u00e4mlichen Staates! Und mich \u2013 MICH &#8211; nannten sie Dieb, Gesindel und \u00dcbleres, nur weil ich mich in Fasar unwissentlich auf dem Pfad der Privilegierten aufhielt. Pff! Gesocks ohnegleichen. Zwar h\u00e4tte ich mit meiner bescheidenen Abstammung prahlen k\u00f6nnen, aber das habe ich gar nicht n\u00f6tig. Nur schwer konnte ich die Fassung wahren, um diesen ungehobelten Gardisten, nicht doch rein zu w\u00fcrgen! Ich sehe, das Training macht sich bezahlt. Firun w\u00e4re stolz auf mich.<\/p>\n<p>Die Ohrfeige von Rowin lie\u00df eine Kaltherzigkeit in mir aufkommen, wie noch nie zuvor. Ich machte ihm leise aber unmissverst\u00e4ndlich klar, was es bedeutet, Hand an mich zu legen. Ein erneuter Frevel seinerseits wird in einem Kampf enden! So recht ist mir immer noch nicht bewusst, warum er dies tat. Er w\u00e4re der Einflussmagie des D\u00e4mons sicherlich ebenfalls erlegen. Und selbst wenn, so schlimm war meine Frage nach seinem Zustand nun auch wieder nicht, als das es diesen miesen Ausraster rechtfertigt. Es zeigt vielmehr seine wahre Natur und seine Meinung \u00fcber meine Person. Ich werde ihn aus emotionaler Distanz im Auge behalten.<\/p>\n<p>Immerhin bem\u00fchte er sich hinterher um Milderung. Er brachte mir zur schwersten Mittagshitze eine s\u00fc\u00dfe w\u00e4ssrige Melone. Auch gab er mir f\u00fcr meine, mit Blasen und Schwielen \u00fcbers\u00e4ten, H\u00e4nde etwas Verbandsmaterial. Die Salbe von Delia verrichtet ein gutes Werk, ich sollte auch Ihr etwas Gutes tun.<\/p>\n<p>Die Schmuck-H\u00e4ndlerin war sehr zufrieden mit mir. Sie bedankte sich sogar \u00fcberschw\u00e4nglich f\u00fcr meine Wachsamkeit. Zu schade, dass ich den gestohlenen Ring nur mit Gl\u00fcck zur\u00fcck erobern konnte. Sonst fiele meine Freude sicherlich ein wenig gr\u00f6\u00dfer aus. So richtig gro\u00dfartig war meine Leistung nicht. Mit doppelter Wachsamkeit leistete ich mir selbst gegen\u00fcber etwas Wiedergutmachung. Nebenbei konnte ich mir ein paar Kniffe des Feilschens aneignen. Die werde ich sicherlich noch ben\u00f6tigen, zumal ich davon bisher keine Ahnung hatte. Ich kaufe halt, was ben\u00f6tigt wird.<\/p>\n<p>Adaque, der kleine Falke, macht mir ein wenig Sorgen. Wie soll ich f\u00fcr ihn aufkommen? Ich kann ihn ohne eine Leine nicht fliegen lassen. Und selbst mit einer solchen, wird es schwer ihn an mich zu gew\u00f6hnen, sodass er mir so frei folgt, wie dereinst Falkie. Morgen muss ich mir erst einmal einen Falknerhandschuh, eine feste leichte Leine und etwas Trockenfleisch besorgen, w\u00e4hrend Nehazet das Medallion findet. Soll er doch seinen Alleingang fortsetzen. Ist mir gleich. \u00dcberdies hat er schon einige Male Desinteresse an mir gezeigt. Erst der Gang zum Emir von der Karawane weg, dann die Sache mit dem Spiegel und nun der Vorfall mit der Br\u00fccke. Hat keine Ahnung, aber setzt seinen Willen durch. Inzwischen kenne ich ihn und wei\u00df, dass er so ist, wie er ist. Aber es erm\u00fcdet ungemein. Warum begleite ich ihn \u00fcberhaupt? In welcher Weise bin ich ihm verpflichtet? In gar keiner! Sehen wir, wie weit er kommt. Die Belohnung wird sowieso nur er selbst vom Emir erhalten. Ich bin gespannt, wie diese Angelegenheit abwickelt.<\/p>\n<p>Lieber st\u00fcrze ich mit Delias schmucken Ferkina die Festung des unrechtm\u00e4\u00dfigen Herrschers, als das ich ihm Wasser bringe!<\/p>\n<p>______________________________<\/p>\n<div>\n<p>Gedanken der Azina<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie lange denn noch? Wenn man bedenkt, dass wir die gleiche Strecke noch einmal zur\u00fccklegen m\u00fcssen, wird mir ganz trist zumute. Leider konnten wir nicht l\u00e4nger im Hause des Rafim bleiben. Das Essen war vorz\u00fcglich und das Nachtlager weich und bequem. Aber irgendwie haben wir es geschafft, seinen Unmut auf uns zu ziehen. 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