{"id":1274,"date":"2012-04-28T12:18:40","date_gmt":"2012-04-28T10:18:40","guid":{"rendered":"http:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=1274"},"modified":"2013-12-28T15:12:43","modified_gmt":"2013-12-28T14:12:43","slug":"aufbruch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teehausgeschichten.de\/?p=1274","title":{"rendered":"Aufbruch"},"content":{"rendered":"<p>21. Travia 1029 B.F., Hafen von Al&#8217;Anfa<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es war ein fr\u00fcher Traviamorgen in der Stadt. Die Praiosscheibe w\u00fcrde erst in einer Stunde hinter dem Horizont hervorkommen und das Schwarz der Nacht wich langsam einem Saphirblau. Der Nebel, der sich von den Ausl\u00e4ufern des Flusses Hanfla her \u00fcber die Stadt w\u00e4lzte, erweckte den Eindruck eines riesigen, geisthaften Wesens, das die Stadt zu umarmen versuchte.<br \/>\nObwohl der Dschungel vom Hafen aus noch Meilen entfert war, vernahm man hier erst ein Qu\u00e4ken eines Vogels, dann setzte ein weiterer ein, dann noch einer, bis es nach und nach wie eine Auff\u00fchrung eines Orchesters anmutete, das durch den Nebel ged\u00e4mpft bis an die Ohren der wenigen H\u00e4ndler stie\u00df, die langsam begannen, ihre St\u00e4nde aufzubauen. Die Stadtgarde r\u00e4umte schon einige \u00fcber Nacht fl\u00fcchtig aus ein paar Brettern errichtete Behausungen unter Gepolter, um f\u00fcr den Markt Platz zu schaffen; deren Bewohner h\u00f6rte man aus der Ferne protestieren, doch nach ein paar dumpfen Schl\u00e4gen r\u00e4umten sie wortlos das Feld.<br \/>\nIn einer Gasse n\u00e4herte sich ein Reiter den Hafenanlagen, den der Nebel nur widerwillig freizugeben schien. Das Klickern der Pferdehufe und das leise Schaben von Kettenr\u00fcstung auf Stahlplatten, nur leicht ged\u00e4mpft durch den dar\u00fcber liegenden, vom Nebel klammen Mantel, mischte sich mit den restlichen Stimmen des Orchesters.<br \/>\nDer Reiter bemerkte die Szenerie am Marktplatz und wenn er dar\u00fcber nachdachte, dass es ihm und seiner Familie fr\u00fcher \u00e4hnlich erging, machte sich in Vard&#8217;Han eine Mischung aus Zufriedenheit, Erleichterung und Trauer breit. Zufriedenheit dar\u00fcber, es in wenigen G\u00f6tterl\u00e4ufen von einem Stra\u00dfenjungen aus der niedersten Bev\u00f6lkerungsschicht zu einem angesehenen Mitglied der Rabengarde und damit der Stadt Al&#8217;Anfa geschafft zu haben; Erleichterung, diesem elendigen Dasein endlich entflohen zu sein; und Mitleid mit all den Freunden, die er zur\u00fccklassen musste.<br \/>\nSein Blick schweifte noch ein wenig \u00fcber die nebelverh\u00fcllten Behausungen, die aus der Ferne wie von einem Wei\u00dfen Seidentuch bedeckte Kisten anmuteten, atmete noch einmal tief durch, sich bewusst, dass er die Stadt, die er so lange seine Heimat nannte, nun f\u00fcr eine lange Zeit nicht wiedersehen w\u00fcrde.<br \/>\nAls der Reiter sich weiter dem gro\u00dfen dunklen Objekt n\u00e4herte, zeichneten sich immer mehr die Umrisse ab und gleich einem gro\u00dfen Seeungeheuer, das auf ahnungslose Landbewohner wartete, sch\u00e4lte sich eine schwarze Triere der Golgariklasse aus dem Nebel. Ihr gro\u00dfes schwarzes Segel \u00fcberragte die Hafengeb\u00e4ude knapp und die vielen Ruder, die aus ihrem Rumpf ragten, verliehen ihrdas Aussehen eines Hundertf\u00fc\u00dfers in \u00dcbergr\u00f6\u00dfe.<br \/>\nAn der Landungsbr\u00fccke vernahm Vard&#8217;Han zwei Gestalten, die ihm offenbar entgegenschauten. Er steuerte sein Pferd in Ihre Richtung, bis er in ihre nur allzu vertrauten Gesichter blickte. Es waren ein Mann und eine Halbelfin; der erste von beiden in eine schlichte schwarze Kutte geh\u00fcllt. Vard&#8217;Han sagte nichts, l\u00e4chelte jedoch beiden kurz zu und nickte Ihnen entgegen, mit dem Mann einen l\u00e4ngeren wissenden Blick tauschend.<br \/>\n&#8222;Boron mit euch, junger Vard&#8217;Han,&#8220; sprach eine weibliche Stimme, die sich als die der Halbelfin Amira Honak, der Kommandantin der Rabengarde entpuppte. &#8222;Ich hoffe, ihr seid euch der Wichtigkeit eures Auftrags bewusst. Die &#8230; Agenten haben euch sicher schon instruiert. Es ist bereits alles erledigt; die Reisekosten legt euch das Haus Honak aus. Nichtsdestotrotz solltet Ihr euch darauf vorbereiten, die angefallenen Kosten zur\u00fcckzuerstatten. In anbetracht des Ruhmes, den Ihr vor allem auch in den Augen des G\u00f6tterf\u00fcrsten erlangen k\u00f6nnt, ein vergleichbar geringer Aufwand. Eure Kontaktpersonen werden einen dunklen Kragen tragen, auf dem ein mit seidenem Faden ein Stern aufgestickt ist und sich mit der Losung &#8218;Der Rabe fliegt auch Nachts noch gut&#8216; zu erkennen geben. Am zielort sucht Ihr die Taverne &#8218;Zum fetten Schinken&#8216; auf. Bis ihr dort seid, ist Zur\u00fcckhaltung das oberste Gebot.&#8220; Sie reichte ihm ein kleines Buch. &#8222;Hier habt Ihr eine kleine Lekt\u00fcre f\u00fcr die Reise, sofern Ihr dazu kommt. Sie wird euch helfen, euch am Zielort zurechtzufinden. Alles gute f\u00fcr euch und m\u00f6ge der Schweigsame eure Schritte lenken und, wenn n\u00f6tig, verh\u00fcllen.&#8220;<br \/>\nEr nahm das Buch an sich, nickte nur kurz l\u00e4chelnd den beiden zu und lenkte die Schritte seines Pferdes auf das Schiff, das auch nur wenige Augenblicke sp\u00e4ter die Perle des S\u00fcdens hinter sich lie\u00df. In der Bucht von Al&#8217;Anfa vereinte es sich mit einer Flotte von etwa einem Dutzend Schiffen und brach in Richtung Port Corrad auf. Vard&#8217;Han ging in Gedanken noch einmal seinen Reiseweg durch, als sich der Himmel von Osten her in ein von Rott\u00f6nen gepr\u00e4gtes Gem\u00e4lde verwandelte.<br \/>\nEr w\u00fcrde mit der Triere bis Port Corrad fahren, vorher einen kleinen Zwischenhalt in Port Zornbrecht machen, und die Seidenkaravane ein St\u00fcck des Weges nach Mengbilla begleiten. Das w\u00e4re der einfachste Teil des Weges, da er sich erstens noch auf dem Gebiet des Rabenpaktes befindet und au\u00dferdem die Seidenkaravane die am st\u00e4rksten Am westlichen Rande Loch Harodr\u00f4ls entlang w\u00fcrde er \u00fcber Dr\u00f4l, Neetha und Methumis auf dem Landweg weiter nach Grangor reisen und dort sollte eine Handelsbarkte ihn mit nach Havena nehmen, von wo aus er \u00fcber Honingen und Winhall nach Andergast reisen wird. Dort kann besagter Informant namens Travian ihm hoffentlich genauere Hinweise geben.<br \/>\nDann fiel ihm das Buch wieder ein, das Amira ihm gab und er holte es aus einer Seitentasche seines treuen Pferdes, dem das leichte Schaukeln der Triere nichts auszumachen schien. Das Buch war in mit Wachs getr\u00e4nktes Leinentuch geschlagen. Als er es auspackte, las er den Titel. &#8222;Andehrgast fyr den noigirigen Raisenden&#8220; von Traviano di Fellonis. Da er wohl den n\u00e4chsten Tag auf dem Schiff verbringen w\u00fcrde und nichts zu tun hatte, er kannte sich mit Schiffsverkehr nicht aus, \u00f6ffnete er den d\u00fcnnen Einband und begann zu lesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>21. Travia 1029 B.F., Hafen von Al&#8217;Anfa &nbsp; Es war ein fr\u00fcher Traviamorgen in der Stadt. Die Praiosscheibe w\u00fcrde erst in einer Stunde hinter dem Horizont hervorkommen und das Schwarz der Nacht wich langsam einem Saphirblau. 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